Damit Sie verstehen, um was es uns auf dieser Seite geht, gleich zu Beginn dieses Zitat: 

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"Etwa neunzig Prozent aller Fotos sind Reproduktionen der Realität - leider.
Womit die Reproduktion nicht schlecht geredet werden soll. Aber es gibt eine weite Spanne zu wenig genutzter Möglichkeiten, auch anders, d.h. poetischer, dramatischer, hintergründiger, persönlicher zu fotografieren"
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Oder etwas anders ausgedrückt: Die überwiegende Mehrheit aller Fotos sind langweilig. Sie reproduzieren das, was Jeder sowieso sieht. Jeder, der eine Kamera halten und auf den Auslöser drücken kann, würde zum gleichen Foto kommen. Fotos werden zu einer beliebig austauschbaren Massenware.

Die Leistung der meisten Fotografen beschränkt sich auf die Anwendung einer immer mehr automatisierten Technik. Der Fotograf mutiert zum Technokraten und ist beliebig austauschbar. Seine kreative fotografische Leistung ist gleich Null.

Fotografie ist aber etwas ganz anderes: 

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Fotografie ist Gestaltung und nicht Darstellung der Wirklichkeit
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Literatur mit Regeln zur Bildgestaltung und zu anderen Themen der Fotografie gibt es wie Sand am Meer. Aber ...

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Akzeptiert man, daß Fotografie ein kreatives Medium - vergleichbar mit Malerei oder Musik - ist, dann muss man auch akzeptieren, daß Bildgestaltung keinen Dogmen unterliegt.
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Gestaltungsregeln als solche sind unwichtig. Ja mehr noch: das sklavische Festhalten an Regeln ist der Tod jeder Kreativität und Individualität. Eigenschaften, die gute Fotografie schon immer ausgemacht haben.

Aber der Umkehrschluß, sich deshalb nicht mit Bildgestaltung zu beschäftigen, ist genauso unsinnig.

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Die Gestaltungsregeln sind nur das verkrüppelte Ergebnis gestalterischer Überlegungen. Wichtig sind die Überlegungen, nicht die Regeln. Fotografie findet im Kopf und nicht in Lehrbüchern mit Gestaltungsregeln statt.
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Für den Einstieg in die aktive Gestaltung der eigenen Bilder ist es hilfreich, sich die Bilder anderer Fotografen anzusehen und von ihnen zu lernen. Im Mittelpunkt dieses Lernprozesses stehen zwei entscheidende Fragen: 


Nicht nur die Antworten auf diese Fragen, sondern auch der Prozess, wie ich zu den Antworten komme, sind sehr wichtig. Ein sehr gute Hilfestellung liefert das "Angewandte, holistisches Bildbetrachtungs-Anleitungs-Hilfssystem".


Einige Aspekte und Fragen sollen helfen, sich über die Zusammenhänge beim Fotografieren klarer zu werden, um so nach und nach zu interessanten, d.h. poetischen, dramatischen, hintergründigen und persönlichen Fotos zu kommen.  

Dies ist sicherlich eine der schwierigsten und zugleich grundlegendsten Fragen überhaupt. Eine einfache Antwort darauf gibt es nicht.
Oftmals ist es hilfreich, wenn man sich vorher ein Thema gibt und dann versucht, dieses Thema in Fotos umzusetzen.
"Die Umgebung meines Wohnortes", "Die Stadt in der ich lebe", "Rundes und Eckiges", "Buntes und Monochromes", "Kleines und Großes"...
Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Oder aber lassen Sie sich treiben und wandern Sie mit offenen Augen durch die Welt. Seien Sie sicher: es gibt überall interessante Motive. Es kommt nur darauf an, sie wahrzunehmen. Oftmals sind es nicht die großen imposanten, sondern eher die verborgenen und von den meisten Mitmenschen nicht wahrgenommenen Motive, die zu einem interessanten Foto führen. Schulen Sie ihren Blick für das Ungewöhnliche, für das übersehene Detail. Werden Sie vom Knipser zum Fotografen (Lichtbildner). Der Weg dorthin führt nur über permanentes Üben. Auch und besonders ohne Kamera.

Im Zweifel immer näher ran ans Motiv. Konzentrieren Sie sich auf das Wesentliche. Denken Sie daran, dass bestimmte Eindrücke (Gerüche, Stimmungen ...), die ihnen zur Wahrnehmung  zur Verfügung stehen, dem Betrachter ihres Fotos nicht zugänglich sind.
Denken Sie vor allem auch daran, dass ihre Wahrnehmung immer eine Interpretation der Realität ist. Sie interpretieren, in dem sie selektieren und Dinge aus ihrer Wahrnehmung ausblenden oder andere Dinge dazu interpretieren.
Das Foto aber ist gnadenlos. Es kann nicht selektieren oder ergänzen, es bildet das ab, was auch tatsächlich vorhanden ist.


Wählen Sie ungewöhnliche Perspektiven. Zeigen Sie neue Facetten ihres Motivs. Gehen Sie in die Knie. Wählen Sie einen höheren Kamerastandort. Machen Sie einen Schritt zur Seite und betrachten Sie die Veränderungen des Motivs durch den Wechsel des Standortes. Geben Sie sich nie mit dem ersten Eindruck zufrieden. Suchen Sie nach Alternativen.


Kurze Brennweiten öffnen den Raum, lange Brennweiten verdichten die räumliche Wirkung. Werden Sie sich darüber klar, welche Brennweite für ihr Motiv geeignet ist. Im Zweifel ist die längere Brennweite (Tele) die bessere Wahl.


Durch eine offene Blende (kleine Blendenzahl) können Sie das Motiv von seiner Umgebung freistellen und so hervorheben. Durch eine geschlossene Blende (große Blendezahl) erreichen Sie eine größere Schärfetiefe und damit einen räumlichen Eindruck.

Durch kurze Verschlusszeiten können Sie Bewegungen einfrieren. Durch lange Verschlusszeiten fangen Sie die Dynamik ihres Motivs ein.


Die Mittagszeit an einem sonnigen Tag, bei der die meisten Fotos gemacht werden, ist nicht die beste Wahl. Fotografieren Sie auch an bedeckten Tagen oder früh morgens oder spät abends. Sie werden erstaunt sein, wie sehr das Licht ihr Motiv und ihre Fotos verändert.
Achten Sie auf Kontraste in der Helligkeit und in den Farben.
Entscheiden Sie sich, ob ihr Foto eher traurig, gedämpft, fröhlich, frisch oder dynamisch, sachlich, kühl sein soll. Wählen Sie danach ihr Licht.
Ziehen Sie auch je nach Motiv High-Key- oder Low-Key-Aufnahmen in Betracht.
Wenn bei ihrem Motiv eher die Formen und Strukturen und weniger die Farben eine Rolle spielen, entscheiden Sie sich für ein S/W-Foto mit seiner ganz eigenen Ästhetik.


Verlassen Sie die statisch und ruhig wirkende Zentralperspektive und platzieren Sie ihr Motiv(e) auch außerhalb der Mitte. Dadurch wirkt ihr Bild dynamischer und spannender. Wenden Sie die Regel des Goldenen Schnitts an und platzieren Sie ihr Motiv(e) sowohl in der Breite als auch in der Höhe auf die Schnittpunkte einer gedachten Dreiteilung des Bildes. Vermeiden Sie es, den Horizont in die Mitte des Bildes zu legen. Folgen Sie auch hier der Regel des Goldenen Schnitts.

Stellen Sie ihr Motiv in einen Bezug zu seiner Umgebung, in dem Sie reale oder auch nur gedachte geometrische Elemente, wie z.B. Linien (horizontale, vertikale und diagonale Linien), Flächen oder Punkte zur Hilfe nehmen. Führen Sie den Betrachter ihres Fotos mit diesen Elementen durch ihr Bild:
Horizontale Linien vermitteln das Gefühl von Ruhe und Ausgewogenheit. Sie sind ein Ausdruck von Weite und Raum. Der Blick des Betrachters wandert entlang dieser Linien von links nach rechts.
Senkrechte Linien, vor allem bei Bildern im Hochformat, beschränken das Bild und stoppen den Blick des Betrachters.
Diagonale Linien verleihen dem Bild Dynamik und leiten den Blick des Betrachters durchs Bild.
Geben Sie dem Betrachter das Gefühl sich in ihrem Bild wohlfühlen zu können, in dem Sie ihm auch Ruhezonen (Flächen) anbieten. Bauen Sie gestalterische Spannungen (Gewichtungen) auf, die den Betrachter an ihr Bild fesseln

Vermeiden Sie leere Ecken und Ränder.
Landschaftsaufnahmen sollten einen Vorder-, einen Mittel- und einen Hintergrund haben. Aber hüten Sie sich dabei vor Postkartenkitsch.
Einen wirklich lesenwerten Beitrag zur Bildgestaltung finden Sie hier.


Verlassen Sie ruhig auch einmal das klassische Bildformat von 2/3 bzw. 3/4. Machen Sie quadratische oder auch langestreckte Bilder. Nutzen Sie die Bildfläche sinnvoll oder beschneiden Sie sie auf das Notwendigste.